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Kategorie: Gib Antikommunismus keine Chance
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„Wir sind weder rechts noch links“, sagen Teilnehmerinnen und Teilnehmer der so genannten „Hygiene-Demonstrationen“. Einige auch aus Sorge darüber, wie ihre durchaus berechtigten Proteste gegen Einschränkungen demokratischer Rechte von Ultrareaktionären und Faschisten missbraucht werden. Ohne jeglichen Beleg wird in bürgerlichen Massenmedien behauptet, bei diesen Demonstrationen liefen rechte und „linksextremistische“ Gruppierungen Seite an Seite. Dabei ist häufig von einer „Querfront“ die Rede, die angeblich als eine „Vermischung linker und rechter Positionen“ bezeichnet wird. Das ist eine völlige Verharmlosung der Querfrontideologie.

ken jebsen diether dehm linkeWas ist das überhaupt? Der Begriff Querfront bezieht sich bildlich auf die, sich diametral – also gegenüber liegenden, Punkte rechts und links. Diese sollen - durch einen Querstrich miteinander verbunden - eine politische Front zwischen ganz rechts (Spektrum der Ultrareaktionäre und Faschisten) und ganz links (fortschrittlich, revolutionär, sozialistisch, Marxisten-Leninisten) bilden. Die Geschichte zeigt, dass die Querfrontideologie – und ihre Praxis - von Anfang an ein liquidatorisches Projekt zur Spaltung und Zerschlagung der revolutionären Arbeiterbewegung war. Sie entstand als ultrareaktionäre Antwort auf die deutsche Novemberrevolution 1918. Wegbereiter war der Leitphilosoph des Hitler-Faschismus, Oswald Spengler, der vom „Untergang des Abendlandes“ schwadronierte und rassistische Konzepte einer „konservativen oder nationalen Revolution“ verbreitete. An seiner Seite stand der monarchistische Militarist Kurt von Schleicher, der es 1932 zum kurzzeitigen Reichskanzler brachte. Er suchte die Zusammenarbeit mit ganz rechts stehenden Sozialdemokraten und Gewerkschaftern und war eng verbunden mit den angeblich „linken“ Kumpanen der Frühzeit des Hitler-Faschismus, Otto und Gregor Strasser sowie dem SA-Gründer Ernst Röhm. Sie verband nur eines: der nationalistische, rassistische und antisemitische Hass auf die proletarische Revolution.Sie waren zugleich Hitlers Konkurrenten um Führungspositionen im neuen faschistischen Deutschland. Hitler ließ im Juni 1934 Röhm, Schleicher, Gregor Strasser und etliche ihrer Anhänger in der „Nacht der langen Messer“ - oder „Röhm-Putsch“, wie die Liquidierung dieser Fraktion des Faschismus offiziell - bewusst die Wahrheit verdrehend - genannt wurde, ermorden. Aber Grundgedanken der Querfront hatten sich auch Hitlers obsiegende Faschisten zu eigen gemacht: nicht umsonst nannten sie sich Nationalsozialisten, dichteten populäre Arbeiterlieder um und missbrauchten kulturelle Traditionen der Arbeiter- und Jugendbewegung. Zusammen mit einer ausgeklügelten sozialen Demagogie konnten sie so Einfluss auf rückständige Teile der Bevölkerung nehmen. Die Geldgeber und Nutznießer des Hitler-Faschismus – das imperialistische deutsche Monopolkapital - blieben so verborgen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es immer wieder Versuche, die Querfronttheorie zu beleben. Als „Neue Rechte“ oder „autonome nationale Sozialisten“ geben sich Neofaschisten „kapitalismuskritisch“ oder bedienen sich linker Symbole, wenn sie mit Palästinensertüchern oder Che-T-Shirts bei Demos auftreten. Das ist besonders für Jugendliche nicht immer leicht zu durchschauen. Der glühende Antikommunismus, besonders gegen MLPD und REBELL, jedoch bleibt ein Markenzeichen. Immer wieder betreiben diese Liquidatoren Spaltungen von Volksbewegungen, wie der Montagsbewegung gegen Hartz IV 2003. Mit „Mahnwachen für den Frieden“ wurde Jürgen Elsässer mit seiner faschistischen Zeitschrift „Compact“ zum Anstifter der rassistischen „Pegida“-Bewegung. Der bekannteste aktuelle Vertreter der Querfronttheorie, Ken Jebsen, tritt auch jetzt mit seiner Website (mit viel Werbung für Putins Russland) auf den Demonstrationen Seite an Seite mit AFDlern auf. Aber immer da, wo solche Leute von entschiedenen Antifaschistinnen und Antifaschisten entlarvt und bekämpft werden, schwindet ihre Anziehungskraft. Das wird auch jetzt wieder gelingen.