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Kategorie: Internationalismus
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2021 icor paris

Am Wochenende 29./30. Mai fanden in Paris Feierlichkeiten zu 150 Jahre Pariser Commune statt, die für die ICOR Europa zugleich Höhepunkt ihrer Kampagne waren. Ein breites Bündnis von Gewerkschaften und verschiedenen linken Organisationen hatte zu Demonstration und Kundgebungen im Gedenken an die Pariser Kommune aufgerufen. Als die Demonstration am Samstag am Ende auf dem Friedhof Père Lachaise ankam, zählte sie 15.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

ICOR-Kundgebung zieht Lehren für die heutige Zeit

Der Auftakt dazu war am Samstag auf der Place der la République, wo diverse Gewerkschaften und verschiedenste linke Organisationen Stände aufgebaut hatten. Der Platz war voller Musik, darunter viele internationale Lieder. ICOR und die kämpferische Aktionseinheit "Collectif Vive la Commune der 1871" hatten ebenfalls einen gemeinsamen Stand, an dem wir viele Gespräche führten, z.B. darüber, welche Ziele die ICOR vertritt.

Bei unserer gemeinsamen Kundgebung, die sich auch durch eine mitreißende Kultur auszeichnete, blieben immer wieder Menschen stehen und sangen mit. An der Kundgebung beteiligten sich u.a. Parteien und Organisationen aus Peru, der Türkei, Deutschland, Frankreich und Tunesien. Ihnen allen war es ein Anliegen, die Commune nicht nostalgisch zu feiern, sondern aus ihr Lehren für die heutige Zeit zu ziehen. Die ICOR-Resolution zu Palästina und der Aufruf von ICOR und ILPS zur internationalen antiimperialistischen und antifaschistischen Einheitsfront wurden auf dem Platz verteilt.

Antikapitalistische und antiimperialistische Stimmung ist sehr verbreitet

Passend zur sogenannten "Temps der cerises" (Zeit der Kirschen), wie die Pariser Commune besungen wird, strahlte die Sonne über dem Kundgebungsplatz. Entsprechend saßen viele Menschen in den Straßencafés und besahen von dort neugierig die anschließende Demonstration. Insbesondere viele junge Leute beteiligten sich und eine antikapitalistische und antiimperialistische Stimmung ist sehr verbreitet. Während sich Trotzkisten und Revisionisten mit der Vergangenheit schmücken wollen, hat die ICOR eine klare sozialistische Zukunftsperspektive.

Das Fronttransparent der ICOR sowie unsere internationale Reihe mit Genossinnen und Genossen aus den anwesenden Ländern von Haiti bis zur Schweiz, wo jeder / jede ein Schild mit Ländername trug, waren beliebte Fotomotive. Es wurde gegen den Widerstand der Behörden erkämpft, dass die Demo auf dem Friedhof Père Lachaise enden konnte, dem letzten Kampfplatz der Kommunarden. Dort bot sich ein wirklich überwältigendes Bild, da tausende mit Blumen und Liedern den Kämpfern die Ehre erwiesen. MLPD und ICOR legten Kränze nieder, unser Block sang gemeinsam die Internationale und es wurden begeistert Fotos von unserem Transparent und den internationalen Delegationen gemacht. Aufgrund der Corona-Beschränkungen konnten wir leider den Abend dieses beeindruckenden Tages nicht gemeinsam ausklingen lassen.

Wichtige Lehre für heute: Der Kampf gegen den Antikommunismus

Für Sonntag hatte die ICOR Europa zu einer Matinée eingeladen: "Lehren aus der Pariser Commune von 1871 für unsere Kämpfe von heute." Dieser Einladung folgten 60-70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter auch neue Kontakte, die tags zuvor gewonnen wurden und Organisationen, die sich für die Mitgliedschaft in der ICOR interessieren.

Im Einleitungsbeitrag von ICOR-Europakoordinator Joachim Griesbaum sowie der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die Lehren aus der Pariser Commune für uns heute noch immer hochaktuell und lebendig sind. So zogen z.B. damals Marx und Engels die Lehre, dass eine Schwäche der Commune war, dass es keine starke und zielklare Partei gab. Lenin hat daraus theoretische und praktische Schlussfolgerungen gezogen, die die erfolgreiche Oktoberrevolution ermöglichten. Auch heute müssen die revolutionären Parteien auf der Welt entschieden gestärkt werden!

Dafür spielt der Kampf gegen den Antikommunismus eine zentrale Rolle, weil er weltweit die Menschen davon abhält, sich für eine sozialistische Perspektive zu organisieren. Das erleben wir nicht nur in Europa, sondern ist z.B. auch eine Erfahrung der ICOR-Partei in Kolumbien. Seit über 75 Jahren entwickelt sich dort erstmals eine beginnende revolutionäre Gärung. Die Massen wollen nicht mehr in der alten Weise leben, die Herrschenden können nicht mehr - trotz immer schärfer Repression - in der alten Weise fortfahren. Millionen entwickeln Todesverachtung und die dortige ICOR-Partei schwimmt nicht nur mit im Strom der Rebellion, sondern gewinnt neue Kräfte für eine sozialistische Perspektive. Und auch dort müssen sie vor allem die antikommunistischen Vorbehalte und Ängste niederringen.
Die Gelegenheit wurde auch genutzt, um das gemeinsame Wochenende auszuwerten. Insbesondere das Engagement der französischen ICOR-Organisationen UPML und UC wurde sehr gewürdigt. Sie haben mit enormer Kraft und in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen der Aktionseinheit, darunter mehrere Migrantenorganisationen, das Wochenende seit sechs Monaten vorbereitet.

Selbstkritisch wertete die Koordinierung der ICOR aber auch aus: unser Auftreten war gut und wertvoll - aber wir können das besser! Dazu gehörte, dass wir uns noch besser mit der zukunftsweisenden Positionierung der ICOR an die Massen hätten wenden müssen, die nach einer Alternative suchen und uns so auch klarer abgrenzen von Revisionisten, Anarchisten und Trotzkisten, zB mit einem kleinen Flugblatt. Wir waren zu wenig vorbereitet gegen mögliche Angriffe von Faschisten, aber auch von der besonders aggressiven französischen Polizei. Dazu gehört auch insgesamt ein noch disziplinierteres und besser organisiertes Auftreten.

Diese selbstkritischen Punkte wurden von weiteren Diskussionsteilnehmern geteilt und wir waren uns einig, dass das Wochenende ein großer Erfolg war, der viele von uns lange prägen wird. Mit einem leckeren Mittagessen wurde das Wochenende beendet. Vive la Commune!