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Am Freitag, dem 25. Januar 2019, brach ein inaktives Rückhaltebecken an der Feijao-Eisenerzmine in der Nähe der brasilianischen Ortschaft Brumadinho; andere Becken liefen über. Die Rückhaltebecken enthalten Abraum aus dem Erzabbau. Eine Schlammlawine von 11,3 Millionen Kubikmeter Wasser, Geröll und Erde begrub die Kantine des Bergbaukonzerns Vale unter sich, in der Arbeiter und Angestellte gerade zu Mittag aßen. Auch eine Pension und mehrere Wohnhäuser wurden unter dem Schlamm begraben. Die Menschen, die ihr Leben verloren, und auch die meisten Vermissten sind Minenarbeiter. Rettungskräfte arbeiten mit vollem Einsatz, aber die Hoffnung, Überlebende in den Schlammmassen zu finden, schwinden stündlich. Verzweifelte Angehörige und obdachlos gewordene Anwohner protestieren am Unglücksort: "Alle hier hatten Angst davor, dass der Damm eines Tages brechen würde, auch wenn Vale und der deutsche TüV immer garantiert hatten, dass er sicher sei."

Großer Umweltverbrecher

Die Vale S.A. ist eines der drei größten Bergbauunternehmen der Welt und mit einem Marktanteil von 35 % der größte Eisenerz-Exporteur weltweit. Da das meiste Erz in Brasilien gefördert wird, hat Vale einen doppelten Konkurrenzvorteil: Zum einen bezahlt er die Bergarbeiter sehr schlecht, zum anderen erhebt der brasilianische Staat wenig Steuern. Im Jahr 2012 wurde dem Konzern der Negativpreis Public Eye Award verliehen, da Vale den Belo-Monte-Damm bauen will. Dazu wurden 40.000 Menschen, die im Amazonasgebiet lebten, umgesiedelt und ein Großteil des Urwaldes überflutet. Das Bankhaus Meril Lynch hatte 1997 die Privatisierung des vorher staatlichen Bergbau-Konzerns betrieben. 2006 fusionierte Merrill Lynch mit dem Finanzunternehmen Black Rock (für das Friedrich Merz, CDU, tätig ist), das so zum weltgrößten Investment-Unternehmen wurde.

Bei einer ganz ähnlichen Katastrophe vor drei Jahren hatte eine giftige Schlammlawine 19 Menschenleben gefordert, die Flüsse verseucht und die Trinkwasserversorgung von Millionen Menschen gefährdet. Auch damals war der Bergbaukonzern Vale beteiligt. Auch damals behaupteten die verantwortlichen Konzernmanager, Wasser und Schlamm aus dem geborstenen Becken seien nicht giftig. Das stellte sich als glatte Lüge heraus. Der Fluss Rio Doce war auf 650 km Länge kontaminiert. Man muss davon ausgehen, dass beim jetzigen Dammbruch der nahe gelegene Paraopeba-Fluss vergiftet wurde, aus dem viele umliegende Städte und Ortschaften ihr Trinkwasser beziehen. "Das Problem mit Vale in unserer Region ist die maßlose Ausbeutung. Es gibt keine Kontrolle", so ein Demonstrant am Unglücksort.

Fabio Schvartsman, Präsident von Vale, erklärte, dass man nicht wisse, wie es zu dem Bruch kommen konnte. Erst im Dezember 2018 hat Vale eine Lizenz erhalten, seine Aktivitäten in der Eisenerzmine von Brumadinho auszuweiten. Maria Teresa de Freitas Corujo, Beraterin der Kammer für Bergbau im Umweltausschuss des Bundesstaates Minas Gerais, hatte sich gegen die Vergabe dieser Lizenz ausgesprochen. "Es war ganz klar, dass Vale Druck machte, damit alle Lizenzen, die der Konzern benötigte, in nur einer Sitzung erteilt werden", sagt Freitas Corujo. Aus den Unterlagen zur Lizenzvergabe geht hervor, dass der Betreiberkonzern Vale grünes Licht bekam, um bestimmte Stoffe aus dem Abraumbecken, das jetzt zerstört ist, wiederzuverwerten - diese also dem Becken zu entnehmen. Spezielle Bagger holen diese Materialien und Stoffe aus dem Becken. Hatten sie bereits damit angefangen und den Staudamm beschädigt? Dazu sagte Vale bisher nichts.

Bei einer Inspektion des jetzt gebrochenen Rückhaltebeckens im vergangenen September hat der deutsche TÜV Süd  „nach momentanem Kenntnisstand keine Mängel festgestellt“, so ein TÜV-Sprecher. Nach Angaben von Vale-Chef Schvartsman wurden auch bei einer weiteren Inspektion am 10. Januar 2019, 14 Tage vor dem Dammbruch, keine Mängel entdeckt. Nach dem Unglück von Mariana vor drei Jahren war bekannt geworden, dass die zuständigen Behörden nur etwa 20 Fachleute für die Kontrolle der landesweit etwa 700 Abraumbecken zur Verfügung habe. Deshalb kaufen sich Vale & Co. gerne Sicherheitszertifikate vom TÜV. Die Tagesschau meldete am 26.11.18: "Auf seiner Internetseite bezeichnet sich der TÜV Süd als 'Partner' der Hersteller. Man kennt und schätzt sich. Viele führende Mitarbeiter von TÜV Süd und anderen benannten Stellen arbeiten zuvor bei Herstellern ... Fraglich ist, wie unabhängig sie bewerten. Denn sie werden von den Herstellern bezahlt."

Drei Tage vor dem Staudammbruch trat Brasiliens faschistoider Präsident Jair Bolsonaro beim Weltwirtschaftsforum in Davos demagogisch als Umweltschützer auf. Dabei hatte er bereits im Wahlkampf den in Brasilien tätigen Bergbaumonopolen eine massive Förderung des Bergbaus zugesagt. Er versprach, Umweltstandards zu senken und die Vergabe von Lizenzen zu erleichtern. In Brasilien gibt es eine aktive Umweltbewegung. Immer wieder kommt es zu regionalen Protesten gegen die Zerstörungen im Regenwald, gegen die Zweckentfremdung von Ackerland, gegen die Vertreibung indigener Völker, die Enteignung kleiner Bauern und gegen extrem umweltschädliche Abbaumethoden von Bodenschätzen. In Davos sprach Bolsonaro nun davon, den CO2-Ausstoß erheblich senken und die Menschenrechte achten zu wollen. Das ist reine Heuchelei. Die neue regionale Umweltkatastrophe in Brasilien unterstreicht: Wir brauchen eine weltweite aktive Widerstandsfront gegen die Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur!