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Kategorie: Arbeiterbewegung
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1mai2021

In vielen Ländern hatten im letzten Jahr wegen der Corona-Pandemie keine Mai-Demonstrationen stattgefunden. Das hat sich 2021 deutlich geändert. Der diesjährige 1. Mai war international etwas ganz Besonderes: Es gab die Gründung der internationalen Antiimperialistischen und Antifaschistischen Einheitsfront, in der fast 500 Organisationen zusammengeschlossen sind, zu feiern! Unter dem Motto "Für Demokratie, Freiheit – Sozialismus!" rief die internationale Einheitsfront zum 1. Mai auf: "Der 1. Mai ist der eine Tag im Jahr, der eindeutig der Arbeiterklasse und den unterdrückten Völkern der Welt gehört.

Am Internationalen Tag der Arbeiter 2021 ruft die frisch gegründete Internationale Antiimperialistische und Antifaschistische Einheitsfront die Arbeiterinnen und Arbeiter der Welt auf, sich zu vereinen und dazu, inmitten der Covid-19-Pandemie, der ökonomischen und ökologischen Krisen und des sich verschärfenden Staatsterrors, der imperialistischen Kriege, angesichts von Massenarbeitslosigkeit, Armut, lebensbedrohlicher Umweltzerstörung, Gewalt gegen Frauen und Minderheiten für ihre Rechte und Befreiung zu kämpfen.

In vielen Ländern der Welt haben die Massen und vornedran die internationale Arbeiterklasse deutlich gemacht, dass sie auch angesichts von Krisen kämpfen können. ... Der 1. Mai war schon immer der Tag, an dem die Arbeiter und die Massen über ihre wichtigsten Tagesforderungen hinaus gesellschaftliche Alternativen diskutieren und sich ihre strategischen Ziele von Demokratie, Freiheit und Sozialismus auf die Fahnen schreiben." Dort, wo die erfolgreiche Gründung der internationalen Einheitsfront bekannt gemacht wurde, zum Beispiel in Deutschland auf Mai-Kundgebungen, stieß dies auf große Begeisterung.

In Spanien gab es diesmal über 80 Demonstrationen im ganzen Land, besonders auch in Puerto Real, wo die Airbus-Arbeiter um ihre Arbeitsplätze kämpfen. Die Arbeitslosigkeit ist dort schon durch die Schließung der Werften sehr hoch. In Marokko wurden Demonstrationen unter dem Vorwand „Quarantäne“ verboten. Trotzdem organisierten Arbeiter, besonders aus Fabriken In Casablanca und Tanger, marxistisch-leninistische Studenten und Vereinigungen junger Arbeitsloser und Lehrer Proteste. Diese wurden brutal unterdrückt, Aktivisten und auch Journalisten verhaftet. Obwohl die Gewerkschaftsführer ab 2012 alle Mai-Demos absetzten, setzten Aktivisten an der Basis immer wieder durch, für ihre Forderungen gegen die Wirtschafts-und Sozialpolitik der Regierung zu marschieren.

In Lateinamerika gingen in den meisten Ländern Arbeiter auf die Straße trotz Corona-Einschränkungen. Das wird unter anderem aus Mexiko, Venezuela, Kuba, Argentinien, Paraguay, Bolivien berichtet. In Kolumbien wurde dieses Jahr gegen Verbote, Polizeieinsatz und Drohung mit Militäreinsatz am internationalen Kampftag der nationale Streik fortgesetzt. In Brasilien stand bei Demonstrationen der Kampf um Gesundheitsschutz im Zentrum, angesichts von über 800.000 Infektionen in 2 Wochen, während Anhänger des faschistischen Präsidenten Bolsonaro provokatorische Umzüge für ein "weiter so" machten.

In den Philippinen hatte die Polizei kurzfristig den traditionellen 1. Mai-Platz in Manila abgeriegelt. Wenig erfolgreich, denn unter sehr großer Beteiligung führte die Gewerkschaft KMU auf einem anderen Platz ihre Kundgebung durch. Die Forderungen: besserer Gesundheitsschutz, höhere Löhne und Arbeitsplätze, gegen die brutale Repression des Duterte-Regimes gegen fortschrittliche und kommunistische Menschen, sowie gegen die Einrichtung chinesischer Sonderwirtschaftszonen.

Mit der Taktik von Blitzdemonstrationen, schnellen Märschen durch die Straßen hat die Widerstandsbewegung gegen den Militärputsch in Myanmar ihre Taktik modifiziert. So haben die Menschen Zeit zu verschwinden, wenn die Sicherheitskräfte kommen. Trotz Verhaftungen bleibt die Demokratiebewegung unbeeindruckt und die Demonstranten versammelten sich am 1. Mai auch in der Stadt Monywa - einem Brennpunkt der Gewalt - und trugen Schilder mit der Aufschrift "Monywa kann nicht regiert werden".

Während die Premierministerin Bangladeshs Klassenversöhnung predigte: „Dieses Jahr steht dieser historische Tag in Bangladesch unter dem Motto ‚Arbeiter und Arbeitgeber werden sich die Hände reichen, um das Land im Mujib-Jahr aufzubauen‘“, gingen in vielen Städten Arbeiterinnen und Arbeiter offensiv für ihre Forderungen auf die Straße, organisiert insbesondere von kämpferischen Textilarbeiter-Gewerkschaften. In Moskau/ Russland kamen circa 2000 Menschen trotz Verbot zu einer Demonstration. Der Anmelder wurde verhaftet und viel Polizei zusammengeholt. Die Menschen legten Blumen an den Denkmälern von Marx und Georgij Shukow nieder, dem Stellvertreter des Obersten Befehlshabers Stalin im 2. Weltkrieg.

In Frankreich wurde der 1. Mai 2021 wieder kämpferisch auf den Straßen und Plätzen begangen. Mit 281 Kundgebungen und Demonstrationen, die größte davon in Paris mit bis zu 25.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Zahlreiche Kräfte erinnerten an die Kommune von Paris 1871. Die Organisation Kommunistische Einheit, Mitglied der ICOR, berichtet aus Lyon: "1. Mai regnerisch, aber kämpferisch! Wir marschierten mit unseren Kameraden von ROTE FAHNE und der MLKP in einer kämpferischen und entschlossenen Demonstration. Die Demonstration spiegelte den Wunsch der Bevölkerung und der Organisationen nach Kampf wider. Ein langes Band entfaltete sich. Für Lyon, das historisch wenig mobilisiert, ist der 1. Mai eine schöne Überraschung."

Trotz Verbot gingen in der ganzen Türkei Tausende auf die Straßen. So auch auf den historischen Istanbuler Taksim-Platz, der von der Polizei abgeriegelt war. Die Polizei nahm Hunderte fest. Der Widerstand wurde trotzdem fortgesetzt. Trotz eines Dekrets, das das Aufzeichnen von Polizeigewalt verbietet, dokumentierte ein Teil der Presse sie.

Die Arbeiterklasse hat die Kraft, das Interesse und die Stärke, die kapitalistische Ausbeutung von Mensch und Natur zu beenden – wenn sie organisiert und vom Kampf für nationale Befreiung und Sozialismus überzeugt ist!